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Filter bei der Reisebuchung richtig einsetzen

Auf der Suche nach dem perfekten Reiseangebot kann man sich im Internet schnell in den Untiefen der Buchungs- und Vergleichsportale verlieren. Da dauert es manchmal Stunden oder sogar Tage bis die Entscheidung für eine Unterkunft gefallen ist. Durch das geschickte Einsetzen der Filterfunktionen kannst du bei deiner Reisebuchung eine Menge Zeit und Geld sparen.


Verstehe den Unterschied zwischen Sortierungen und Filtern

Immer wieder wird Buchungsplattformen wie booking.com oder tripadvisor vorgeworfen, dass sie durch ihre Filtereinstellungen ihre Kunden in die Irre führen würden. Da würden teure Angebote ganz oben auf der Seite stehen und als bester Deal verkauft. Oder die best-bewerteten Unterkünfte tauchten gar nicht, oder erst viel weiter unten auf der Seite auf, wenn man danach filtert.

Sicherlich kann man einige gängige Praktiken der Reiseportale fragwürdig finden. Der Vorwurf der Manipulation durch Filterung ist meiner Meinung nach aber völlig haltlos und beruht auf einem einfachen Missverständnis: Die meisten Menschen verstehen den Unterschied zwischen Sortierungen und Filtern nicht!


Was ist eine Sortierung?

Sortierungen sind die Art und Weise wie eine Ergebnisliste sortiert ist. Also zum Beispiel die günstigsten Produkte zuerst, die größten Appartements zuerst oder die kürzeste Entfernung zum Strand zuerst. Je teurer, kleiner oder weiter weg eine Unterkunft liegt, desto weiter hinten taucht sie dann in den Suchergebnissen auf. Die Position, die ein Ergebnis auf Grund der eingestellten Sortierung hat, ist extrem relevant, denn bei Google schauen sich tatsächlich 99% aller Menschen nur eine einzige Seite pro Ergebnisliste an. Bei Buchungsplattformen wie booking.com oder hostelword mag der Wert nicht ganz so dramatisch aussehen, aber über 5 Seiten klickt auch hier wohl niemand durch. Eine ganz einfache Beispiel-Buchungssuche macht das Problem hieran nochmal deutlich: Sagen wir du suchst nach einem Hotel in London für vier Nächte im Juni für 2 Personen. Nun erhältst du je nach Plattform, auf der du suchst, um die 4.000 Suchergebnisse, also 4.000 Unterkünfte, aus denen du wählen kannst. In der Regel werden zwischen 25-35 Ergebnisse pro Seite angezeigt. Bei 4.000 Ergebnissen müsstest du jetzt also 133 Seiten durchblättern, um dir alle Unterkünfte anzusehen. Wenn du nur maximal 5 Seiten davon anguckst, dann hast du 128 Seiten, ergo 3.800 Unterkünfte, überhaupt nicht angesehen.

Die meisten Menschen denken, dass es nichts ausmacht, sich nicht durch den Wust aller Ergebnisse zu wühlen, da die Sortierung ihnen ja automatisch sagt, welches das beste Angebot ist. Die Top-Angebote stehen oben, und weiter hinten wird es dann auch irrelevant.


Sortierungen helfen vor allem dem Unternehmen

Genau hier liegt aber der Fehler, den so viele bei der Reisebuchung begehen: Die Ergebnisse sind stets so sortiert, dass sie am meisten Profit für das Unternehmen abwerfen. Ob es sich dabei gleichzeitig um das beste Angebot für dich handelt steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Ein sehr schönes Beispiel dafür findest du auf hostelword.com. Hier findet sich über der Ergebnisliste ein Informationstext, in dem steht: „Die Sortierfolge entspricht Ihren Suchkriterien, den Bewertungen des Objekts/ den Preisen / der Verfügbarkeit und der gezahlten Provision.“ Aha. Was heißt das also? Hostelworld benutzt für die Sortierung eine mathematische Formel, in die viele verschiedenen Kriterien miteinbezogen werden.

Die Ergebnisse sind also nicht bloß nach „günstigster Preis“ oder „beste Bewertungen“ sortiert, sondern beziehen beide Kriterien zu einem gewissen Prozentsatz mit ein. Darüber hinaus wird auch noch die Verfügbarkeit der Unterkunft im ausgewählten Zeitraum mit in die Berechnung einbezogen. Außerdem, und das ist extrem wichtig für dich zu wissen, wird auch die Provisionen, die die Unterkünfte an Hostelworld zahlen, mit in die Sortier-Regel einberechnet. Das heißt, in der Sortierung sind jene Unterkünfte, die bei hostelworld am meisten Geld lassen, auch automatisch höher gerankt.

Ein top-bewertetes, günstiges und ordentliches Hostel mit wenig Werbe-Budget, könnte demnach weiter unten stehen als ein nicht ganz so gut bewertetes Hostel mit teureren Preisen, das aber eine Premium-Partnerschaft mit Hostelworld abgeschlossen hat.

Diese Methode, Sortierungen nach verschiedenen Kriterien zu gewichten, die vor allem für den Gewinn des Unternehmens zuträglich sind, ist keine Ausnahme bei hostelword. Im Gegenteil: alle Reisebuchungsplattformen (und auch alle anderen Online-Händler, wie Zalando oder amazon) beziehen umsatzrelevante Metriken in ihre Sortierregeln ein. Bei booking.com liest du zum Beispiel, dass die Sortierung „Unsere Top-Tipps“ die „gezahlte Kommission und andere Vorteile“ in die Sortier-Regel miteinbezieht.

Bei expedia übersetzt sich diese Praxis mit folgender Infobox „Die an uns gezahlte Kommission beeinflusst möglicherweise unsere Sortierfolge der Suchergebnisse“.

Und bei Tripadvisor bedeutet „Preis/Leistung“-Sortierung, dass hier auch die „persönlichen Vorlieben der Benutzer“ mit einbezogen werden. Welche genauen Metriken sich hinter dieser Formulierung verstecken, dass weiß nur Tripadvisor allein.

Noch ein wenig wunderlicher wird es dann bei agoda. Die Standart-Sortierung hier heißt „Empfehlung“ und ist einfach nur beschrieben als „Diese Unterkünfte haben wir exakt für Sie ausgewählt“. Ja, danke agoda. Ich fänds trotzdem nett zu wissen, welche Kennzahlen ihr dafür verwendet.

Auch wenn man bei der ein oder anderen Plattform sicherlich über die Transparenz der Sortier-Regeln streiten kann, so bin ich doch persönlich der Meinung, dass die Sortierung nach gewinnbringenden Kriterien das gute Recht all dieser Buchungsplattformen ist. Schließlich zahlst du als Endkunde keinerlei Gebühren für den Service, den diese Portale dir bieten. Da ist es nur fair, wenn die Unternehmen versuchen, dir das Angebot zu verkaufen mit dem sie am meisten Gewinn machen. Du bist am Ende ja immer noch selbst dafür verantwortlich, ob du darauf reinfällst oder dich (zum Beispiel mit diesem Artikel) informierst und lernst wie du vorgefertigte Sortierregeln umgehst.


Was ist ein Filter?

Anders als eine Sortierung bringt ein Filter die Ergebnisse nicht einfach in eine andere Reihenfolge, sondern er schließt Ergebnisse, die nicht seinen Anforderungen entsprechen direkt aus. Wenn du zum Beispiel eingibst, dass du maximal 50 Euro pro Nacht bezahlen willst, dann wird ein Filter dir alle Unterkünfte, die mehr als 50 Euro pro Nacht kosten, nicht mehr anzeigen. So reduzierst du die ursprünglichen 4.000 Treffer erheblich auf nur noch 100 Treffer. Durch einen solchen Filter müsstest du jetzt also nur noch 3,5 Seiten durchstöbern, um alle in Frage kommenden Unterkünfte zu sehen.


Filter sind deine Freunde

Und in genau dieser Reduzierung des Gesamt-Angebots liegt die Macht der Filter. Dadurch, dass du von vorne herein alle irrelevanten Ergebnisse ausschließt, musst du dich nicht durch 133 Seiten klicken und dich gleichzeitig auch nicht auf die Sortierung verlassen, um die relevantesten und besten Angebote zu finden.

Ich persönlich habe im Laufe der Jahre meine eigene Strategie entwickelt, wie ich mit Hilfe von Filtern viel Geld und Zeit bei der Reisebuchung spare. Dabei gehe ich in drei Schritten vor:

  1. Ich setzte mir ein Zeitlimit für die Suche
  2. Ich schreibe alle Kriterien auf, die die perfekte Unterkunft für mich erfüllen muss
  3. Ich lege meine drei unverhandelbaren Buchungs-must-haves fest

Schritt 1: Ein Zeitlimit setzen

Zeit ist ja bekanntlich Geld und es hat sich auch schon mal jemand totgesucht. Ich persönlich finde es sehr beengend, wenn ich zu viel Zeit mit der Reisebuchung verbringe. Da verstricke ich mich in Kleinigkeiten und Details und am Ende habe ich so viele Unterkünfte angesehen und Bewertungen gelesen, dass ich völlig verunsichert und frustriert bin. Daher lege ich im Vorfeld von jeder Reisebuchung ein Zeitlimit fest, wie lange ich heute maximal mit der Recherche verbringe. Pro Unterkunft sind das bei mir maximal 30 Minuten.


Schritt 2: Alle Kriterien aufschreiben, die die perfekte Unterkunft erfüllen müsste

Als zweites fange ich an zu überlegen, was die eierlegende Wollmilchsau wäre: Der Preis muss stimmen, und es sollte in der Innenstadt sein. Dazu ein Doppelbett, WLAN, ein eigenes Badezimmer, Balkon, sehr gute Bewertungen und ein Fitnesscenter. Außerdem hätte ich gerne Frühstück mit drin, und hey, es ist Urlaub, ich hätte gerne auch einen Whirlpool im Hotel.

Mit dieser Liste fange ich dann an meine Filter zu füllen. Und glaub mir, mehr als 5 Unterkünfte werden mir mit so einer Bestellliste nie angezeigt. Das Problem der Sortierungen habe ich damit innerhalb von ca. 30 Sekunden ausgehebelt. Ich schaue mir also nur noch die wenigen Unterkünfte an, die meine eierlegende Wollmichsau sind. Im besten Fall ist es mit der Recherche dann auch schon getan und ich schreibe mir meine zwei Favoriten auf. Diese suche ich dann noch auf anderen Plattformen und lese dazu noch weitere Bewertungen aus unterschiedlichen Quellen. Dann zeige ich meine Auswahl immer noch meinen Mitreisenden (also meinem Partner oder meinen Freunden) und lasse sie dann zwischen den beiden Möglichkeiten wählen. Auf diese Art habe ich am Ende nicht die alleinige Verantwortung, falls die Unterkunft doch nichts ist, und beschleunige trotzdem den Prozess der Unterkunftssuche erheblich.

Etwas länger dauert der Schritt „eierlegende Wollmilchsau“, wenn genau Null Unterkünfte den Anforderungen entsprechen. Dann hilft nur eins: Die Anforderungen runtersetzen.

Wenn ich null Treffer für meine eierlegende Wollmilchsau erhalte, dann fange ich an, nach und nach Filter zu entfernen. Zuerst die Dinge, die wirklich nur nice-to-have wären. Also ich brauche nicht wirklich einen Whirlpool und das Fitnesscenter würde ich ja eh nicht nutzen. Also raus damit. Taucht mit zwei Filtern weniger jetzt vielleicht schon eine Unterkunft auf? Nein? Dann reduziere ich weiter: Anstatt der sehr guten Bewertungen reichen auch „nur“ gute Bewertungen, ich hänge auch nicht sooo sehr am Doppelbett und auf den Balkon kann ich auch verzichten. Immer noch kein Ergebnis? Frühstück im Hotel wird überbewertet, solange es sauber ist, brauche ich auch kein eigenes Bad und ohne WLAN ist auch schaffbar – dann lade ich Musik, Karten und Filme vor dem Urlaub runter und konsumiere alles offline. Jetzt sind nur noch drei Filter aktiv. Und jetzt ist bei mir auch immer mindestens eine Unterkunft dabei, die diese drei Anforderungen erfüllt.


Schritt 3: Die drei unverhandelbaren Kriterien festlegen

Bevor es ans sukzessive Anforderungen-Runterschrauben geht, solltest du dir Gedanken machen, welche drei (oder maximal 4) Kriterien für dich absolut unverhandelbar bei der Unterkunft sind. Für mich sind das in der Regel: der Preis, die Lage und die Bewertungen dürfen nicht geringer als 75% sein. Alles andere ist für mich verhandelbar. Klar, ich hätte eigentlich auch gerne ein eigenes Bad im Zimmer, aber wenn die Unterkunft sehr preiswert ist und als extrem sauber beschrieben wird, dann kann ich halt auch auf ein eigenes Bad verzichten und geh dafür zum Duschen einmal über den Flur. Aber wenn die Unterkunft 10 Kilometer von der Innenstadt entfernt ist, dann ist das für mich einfach ein No-Go. Pendeln muss ich im Alltag schon genug, im Urlaub will ich aus der Haustür stolpern und im Leben sein.

So hat jeder seine ganz eigenen Faktoren, die für ihn unverhandelbar sind. Mache dir vorher Gedanken, worauf du auf keinen Fall verzichten kannst! Wenn du dir nämlich nicht vor dem Beginn deiner Reise-Recherche bewusst darüber bist, was du auf jeden Fall brauchst, und worauf du im Zweifelsfall auch verzichten kannst, dann wirst du nach der „eierlegenden Wollmilchsau“, die Null-Treffer gebracht hat, ewig hin und her überlegen, welche Filter du jetzt rausnimmst und welche du doch vielleicht irgendwie brauchst oder hmm… ja aber… naja…

Ohne klare Richtlinie wirst du dich verzetteln und ewig für deine Reisebuchung brauchen. Beschränke dich wirklich nur auf 3 Kriterien! Die Zeit und die Nerven, die du durch diese Methode sparst, sind erheblich!


Hast du meine Strategie wie man Filter bei der Reisebuchung richtig einsetzt schon einmal ausprobiert? Oder hast du selber noch weitere Tricks und Tipps? Ich freue mich über dein Feedback 😊

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